Gewandungen

Im Mittelalter war es für eine Frau unmöglich, das Haus ohne eine Kopfbedeckung zu verlassen. Einerseits war sie Schutz vor Wind, Wetter, Hitze, Kälte, Schmutz, Staub und Ungeziefer geschützt, andererseits bestand für Frauen das Gebot, in der Kirche und in der Öffentlichkeit die Haare zu bedecken. Die Kopfbedeckung, die am Anfang aus einem einfachen Tuch bestand, wurde mit der Zeit immer aufwändiger und prächtiger, so dass man mit der Zeit immer mehr vom „Kopfputz" reden konnte. Abgesehen davon, dass eine Kopfbedeckung schön aussah, wurden damit auch unansehnliche, fettige Haare bedeckt.

Die Kleiderordnungen im Mittelalter regelten jedes Detail bis ins Letzte und so verordnete die Speyrer Kleiderordnung von 1356 unter anderem, nachdem lang und breit über die Haartracht der verheirateten Frauen verhandelt wurde:

„Aber eine Jungfrau, die noch keinen Mann hat, die kann wohl ein Schapel tragen und ihre Zöpfe und ihre Haarschnüre hängen lassen, bis dass sie verheiratet wird und ein Mann sie nimmt; nachdem das geschehen ist, darf sie kein Schapel mehr tragen und auch die Zöpfe und Haarschnüre nicht frei herunterhängen lassen, wie es da vorgeschrieben steht."

Das Sprichwort „unter die Haube kommen" stammt auch aus dieser Zeit und bedeutet einen Mann bekommen, heiraten. Während die jungen Mädchen vormals offenes, herunterhängendes Haar als Zeichen ihrer Unberührtheit trugen, banden die verheirateten Frauen ihr Haar hoch und steckten es unter die Haube. Es galt in dieser Zeit als höchst erstrebenswert „unter die Haube zu kommen" und diese als Zeichen der Frauenwürde aufzusetzen; sie war fast schon ein Privileg und wurde auch mit Stolz getragen.

Historische Kopfbedeckungen

Schleier: Die verheiratete Frau trug den Schleier im 12. Jahrhundert als Schleiertuch um den Kopf gewickelt, so dass er das Haar vollständig bedeckte und das Ende locker um den Hals gelegt werden konnte. Später ab dem 13. Jahrhundert wurde er locker auf den Kopf gelegt und mit einem Schapel befestigt. Die Farbe des Schleiers war immer weiß.
Gebende: Verheiratete Frauen trugen häufig das Gebende in Form von Stoffstreifen aus weißem Leinen, die das Kinn und die Wangen bedeckten. Diese Kopfbedeckung wurde auch unter dem Schleier um den Kopf gelegt. Ein gestärkter Leinenstreifen, der am oberen Rand gekräuselt oder mit Spitze besetzt war, wurde in Stirnhöhe um den Kopf gelegt. Ein zweiter Streifen umschloss das Kinn und lies das Haar frei über den Rücken fallen. Über das Gebende legte man einen Schleier und befestigte diesen mit einer Gebende-Nadel oder einem Schapel.
Schapel: Das Schapel ist ein Kopfschmuck, der von Frauen wie Männern gleichermaßen getragen wurde. Es handelt sich um einen Kranz aus natürlichen oder künstlichen Blumen, Haarbändern aus Stoff oder Gold, die mit Zierrat versehen waren und wie ein Kronreif aufgesetzt wurden. Unverheiratete Frauen und junge Männer trugen das Schapel im offenen Haar, Ehefrauen über ihrem Schleier, um diesen zu halten.
Haube: Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts gibt es Hinweise auf die Haube als einfache Kopfbedeckung. Sie lag eng am Kopf an und hielt die Haare beim Arbeiten aus dem Gesicht und schützte sie vor Schmutz. Zum Ende des Jahrhunderts wurde die Haube auch bei vermögenderen Frauen aktuell.
Haarnetz: Das Haarnetz wurde alleine nur von unverheirateten Frauen aufgesetzt, in Kombination mit anderen, verhüllenden Kopfbedeckungen konnte es auch von Ehefrauen getragen werden.
Wimpel: Der Wimpel ist ein schalartiges Tuch, das um Hals, Kopf und Nacken gelegt wurde, so dass vorne nur das Gesicht frei blieb. Er konnte alleine oder in Kombination mit einem Schleier getragen werden. Da er praktisch die Haare komplett verdeckte, galt der Wimpel als eine sehr züchtige und sittsame Kopfbedeckung. Er war sehr oft Bestandteil der Nonnentracht.
Das Material der Kopfbedeckungen wurden aus Leinen, Hanf, Nessel und Schafwolle hergestellt. Höhere Stände verwendeten auch Seide, sowie generell bessere Textilqualitäten und veredelte Tuche.